Es gibt mehr Kinder, die mehr oder weniger regelmäßig in der Nacht ihr Bett einnässen, als man es landläufig für möglich hält. Es geht hier nicht um Kleinkinder unter 3 Jahre – in dieser Altersklasse ist das völlig normal. Aber wenn sie in den Kindergarten gehen, sollten sie keine Windeln mehr tragen. Das ist eine Voraussetzung für die Aufnahme in fast allen Kindergärten. Und auch wenn die Kinder tagsüber ihre Ausscheidungen kontrollieren können und auf eine Windel verzichtet werden kann, ist in der Nacht häufig alles anders. Statistisch nässt in jeder Kindergarten-Gruppe etwa jedes 6. Kind nachts ein. Und sogar in der Grundschule kommt es vor. Hier ist in der 1. Klasse jeder 9. Schüler davon betroffen. Das Thema ist auch in der 4. Klasse noch längst nicht durch. Auch hier gibt es statistisch gesehen immer zwei bis drei Kinder, die des Nachts ihr Bett einnässen.
Dennoch glauben die Betroffenen Eltern und Kinder, dass sie mit diesem Problem alleine da stehen. Das liegt ganz einfach daran, dass kaum jemand darüber spricht. Bettnässen ist stark tabuisiert, weil die meisten Eltern glauben, dass sie durch ihre Erziehung daran Schuld tragen. Zudem glauben viele, dieses Phänomen existiere nur in der sogenannten Unterschicht. Aber die Statistik belegt eindeutig, dass Bettnässen in allen Gesellschaftsschichten vorkommt. Die Scham der Betroffenen ist häufig so groß, dass sie selbst Verwandte oder Freunde nicht einweihen. Sie hüten es wie ein Familiengeheimnis und das führt leider auch dazu, dass man sich nicht traut professionelle Hilfe aufzusuchen. Die Angst vor einer möglichen Stigmatisierung ist zu groß. Dabei gibt es Möglichkeiten, das Bettnässen in den Griff zu bekommen. Eine davon ist eine Art Trainingsprogramm mit einer sogenannten Klingelhose. Hierbei wird im Nacht-Schlüpfer ein Sensor angebracht, der schon auf den kleinsten Tropfen Urin reagiert. So eine Klingelhose schickt dann ein Signal an eine Klingel und je nach Modell auch per Funk ein Signal an die Eltern. Sollte das Kind durch die Klingel nicht wach werden, kann auch die Mutter oder der Vater schnell zum Bett des Kindes kommen und es wecken, damit es noch rechtzeitig zur Toilette kommen kann. Durch dieses ständige Wecken in der Nacht lernt der Organismus irgendwann, sich bei Harndrang selbst zu wecken. Und der Bettnässer gehört der Vergangenheit an.
Autor: Andreas Mettler




