Früher war U-Bahn-Fahren manchmal ganz schön langweilig, vor allem auf langen Strecken. Zum Glück gibt es aber heutzutage in vielen Waggons so etwas wie Fernseher – genauer gesagt Bildschirme, die während der Fahrt das Fahrgast-Fernsehen zeigen. Das ist kein Fernsehen im eigentlichen Sinne, sondern eine bunte Mischung aus Nachrichten, Informationen zum Nahverkehr, seichter Unterhaltung in Form von Cartoons, Quizfragen oder dem „Spruch des Tages“ und – natürlich – Werbung. Letzten Endes ist die Werbung der Schlüssel zum Ganzen. Denn findige Marketingexperten haben längst die U-Bahn als geeigneten Ort für das so genannte Ambient Marketing entdeckt.
Die Fahrgäste können die Werbung nicht abschalten, sie können auch nicht einfach aussteigen, und man kann sie sehr zielgenau bewerben. Denn man weiß ja immer genau, wo sie sich gerade befinden – und so blendet man vor jeder Haltestelle Werbung für Geschäfte in der jeweiligen Umgebung ein. Das ist natürlich viel effizienter als etwa Werbung übers normale Fernsehen, wo man ja kaum etwas über die jeweiligen Zuschauer weiß. Doch die U-Bahn ist nicht der einzige Ort, wo solche Werbung über spezielle Bildschirme genutzt wird. Übertroffen wird es wohl inzwischen noch durch Marketing in Arztpraxen, denn auch dort sehen sich die Patienten neuerdings gelegentlich mit diesen Bildschirmen konfrontiert. Das Prinzip ist im Grunde dasselbe. Man berieselt die Personen im Wartezimmer mit einer Mischung aus medizinischer Information und Werbung für Produkte, die einen kranken Menschen interessieren könnten. Auch hier können die Betroffenen nicht weglaufen, und man weiß von vornherein, dass sie sich gerade für Gesundheitsthemen interessieren – sonst wären sie ja schließlich nicht beim Arzt. Allerdings ist der Bildschirm im Wartezimmer nur der bisherige Höhepunkt einer viel umfassenderen Entwicklung. Denn Werbebroschüren und Produktproben sind in Arztkliniken schon längst Alltag.
Autor: Andreas Mettler


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